Bildersammlung James Ensor
Anmerkungen zu "Der Schmerzensmann"
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Die schmerz- und wutverzerrte Grimasse ist Spiegel der tiefen Lebenskrise, in der sich Ensor zu Beginn der neunziger Jahre befand. In dieser Zeit versuchte er, sein Atelier mit dem gesamten Bilderbestand für 8500 Franc zu verkaufen. Trotz aller Bemühungen fand sich jedoch kein Käufer.
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In zahlreichen seiner Bilder ist uns dieser Stilpluralismus bereits begegnet. Besonders deutlich wird er in zwei thematisch wie stilistisch ganz und gar unterschiedlichen Werken aus den frühen neunziger Jahren, in Der Schmerzensmann und Die trostreiche Jungfrau. Im Schmerzensmann finden sich auf einem dicken, unregelmäßigen Farbauftrag mit spitzem Griffel eingeritzte Linien von ungemeiner Expressivität. Auf blutrotem Grund zeigt Ensor ein unsagbar verzerrtes und verkrampftes Gesicht, voller Leiden und unverhülltem Zorn. Der Künstler blendet hier jeglichen versöhnlichen Aspekt aus, sein Schmerzensmann ist nichts weniger als das Zeichen einer tiefen moralischen Krise. Ensor leidet, ob er nun malt oder nicht. An den Kritiker Jules Dujardin schreibt er: "Auch für mich ist die Kunst aus dem Schmerz geboren und außer in seltenen ist mein Leben mit Verbitterung und Enttäuschungen verbunden". [A3]