Bildersammlung
James Ensor

Biographische Daten

Familienseite Inhaltsverzeichnis Handhabung

13.04.1860 James Ensor wird in dem mondänen Badeort Ostende, in der Vlaanderenstraat Nr. 27 - dem jetzigen James-Ensorhuis - geboren, wo im Erdgeschoß sein Onkel und seine Tante ein Souvenirgeschäft betreiben. Die tausenderlei Dinge in diesem Laden beeinflussen später seine farbenfrohen, grotesken, bizarren und unheimlichen Darstellungen.

Der Vater - James Frederic Ensor - ist Ingenieur und britischer Bürger, die Mutter - Maria Catharina Haeghmann - eine Flämin aus alteingesessener Familie.
1861 James einziges Geschwister wird geboren, Mariette Ensor, die man später in der Familie "Mitche" nennt.
1873 In diesem Jahr wird Ensor erstmals zur Schule geschickt, in das Gymnasium Notre Dame in Ostende. Er malt seine ersten Landschaften. Sein Vater, voller Überzeugung von der Begabung seines Sohnes, läßt ihn von zwei Malern aus der Stadt, André Duban und Michel van Cuyck unterrichten.
1875 Ensor malt Fischer.
1876 "Der Badewagen" [1876]

Er malt Meeres- und Dünenlandschaften, Natureindrücke aus seiner heimatlichen Umgebung, in denen der Mensch nicht vorkommt.

Ensor geht vom Gymnasium ab und besucht die Kunstakademie in Ostende.

Der Badewagen [1876]

1877 Beginn des Studiums an der Brüsseler Akademie. Trotz seiner Abneigung gegen die akademische Lehrdoktrin, die er nicht verbirgt, gewinnt er Preise. Er lernt dort Ferdinand Khnopff kennen.
1879 Bekanntschaft mit Théo Hannon, der ihn mit der Familie seiner Schwester Mariette zusammenbringt. Es beginnt die Freundschaft mit dem Ehepaar Professor Ernest und Mariette Rousseau.

Ensor malt "Das Mädchen mit der Stupsnase", drei Fassungen eines Selbstbildnisses und biblische Szenen.
1880 "Der Lampenjunge" [1880] Ensor geht mit einem zweiten Preis im Zeichnen von der Brüsseler Akademie ab und kehrt für immer in das Haus seiner Eltern nach Ostende zurück. Auf dem Dachboden dieses Hauses an der Ecke Rue de Flandre und Van Tseghem Boulevard richtet er sich ein Atelier ein.

Er pflegt weiter die Freundschaft mit den Rousseaus in Brüssel.
4.5. - 4.6.1881

"Der bürgerliche Salon" [1881] Im avantgardistischen Kunstverein "La Chrysalide" in Brüssel beteiligt er sich zum ersten Male an einer Ausstellung mit den Werken "La coloriste" von 1880, "Le salon bourgeois" von 1881 und einem Stilleben.

"Der bürgerliche Salon" [1881]

14.8. - 16.10.1881 Bei der Exposition Générale des Beaux Art in Brüssel wird "Musique russe (Chez Miss)" von 1881 ausgestellt.
1882 "Die Austernesserin" Ensor malt die "Austernesserin", die der Salon in Antwerpen ablehnt. Auch der Kunstkreis "L'Essor" lehnt das Bild 1883 aufgrund seiner unkonventionellen Komposition ab. Es wird erstmalig 1886 im Salon der "XX" ausgestellt.
7.1. - 8.2.1882 "Ensors Vater" [1881] Ensor schließt sich der avantgardistischen Vereinigung "L'Essor" in Brüssel an. Bei der 6. Jahresausstellung von "L'Essor" im Palais des Beaux-Arts Brüssel werden die Bilder "Une après-dinée à Ostende", "Portrait du père de l'artiste", "Rue de Flandre sous la neige (Effet du neige)", "La mare aux peupliers (La clairière)", "Canal aux péniches", "Raie et hareng (La raie)" und "Chinoiseries aux éventails" gezeigt. Die Werke werden als "Schund" bezeichnet.
Mai - September 1882 Ensor stellt im Pariser Salon des Beaux-Arts "Musique russe (Chez Miss)" und "La coloriste" aus.
31.12.1882 - 5.2.1883 "Die dunkle Dame" [1881] 7. Jahresausstellung von "L'Essor" in Brüssel. Ensor ist mit "Der Lampenjunge", "Les braconniers", "Poilleux indisposé voulant se chauffeur", "Die dunkle Dame" und "Pommes" vertreten. "Die Austernesserin" wird abgelehnt.
Oktober 1883 Der Literat Octave Maus gründet in Brüssel einen weiteren avantgardistischen Künstlerkreis, "Les XX", dem zwanzig junge Maler, Musiker und Literaten angehören. Ensor ist Gründungsmitglied und beteiligt sich bis zur Auflösung des Kreises 1893 an den jährlichen Ausstellungen.
1883 "Der Ruderer" [1883] Ensor malt "Der Ruderer"

Seine "dunkle Periode" geht zu Ende.

Mit "Die verärgerten Masken" eröffnet er die Folge seiner Maskenbilder.
2. 2. - 2.3.1884 "Die verärgerten Masken" [1883] Erste Jahresausstellung von "Les XX" im Palais des Beaux-Arts in Brüssel. Ensor ist mit "Les pochards", "Die Verärgerten Masken", "La coloriste", "La dame en détresse", "Le lampiste" und "Chinoiseries aux éventails" vertreten. Diese sechs Gemälde lösen einen Skandal aus und werden von der Presse einhellig verrissen.
1884 Die Zeitschrift "L'Art Moderne" druckt Ensors ersten Aufsatz "Drei Wochen an der Akademie" ab, eine Satire auf den Akademiebetrieb.

Seine gesamten Einsendung wird durch den Salon in Brüssel zurückgewiesen.
Zweite Jahresausstellung von "Les XX" im Palais des Beaux-Arts in Brüssel. Auch auf ihr ist Ensor mit sechs Werken vertreten. Eines davon kann er verkaufen.
1885 Ensors Frühwerk ist im wesentlichen abgeschlossen. Die Kritik hatte verständnislos ablehnend, ja geradezu feindlich reagiert. Ensor befällt eine schwere Krankheit des Verdauungstraktes.

Arbeit an dem Zeichnungszyklus der "Glorienscheine Christi", worin sich Ensor mit dem Leidensweg Christi porträthaft vergleicht und zugleich die gesellschaftlichen Verhältnisse kritisiert.

Reise nach England, wo ihn die Bilder William Turners fesseln.
6.2. - 14.3.1886 Die "Austernesserin", die der Salon in Antwerpen 1882 abgelehnt hatte, wird erstmalig auf der Dritten Jahresausstellung von "Les XX" im Palais des Beaux-Arts in Brüssel ausgestellt.
1886 "Die Kathedrale" Ensor schließt den Zyklus der "Glorienscheine Christi" ab, der 1887 einen Ausstellungsskandal bewirkt.

Er beginnt die umfangreichen grafischen Arbeiten und die Behandlung christlicher Themen und schafft bis 1889 den größten Teil seiner insgesamt 133 Radierungen. Darin steigert sich sein Hang zum Phantastischen und Grotesken.
1887 Die Folge seiner traumhaft-seherischen Bilder beginnt mit der "Vertreibung aus dem Paradies" und der "Versuchung des heiligen Antonius"

Tod des Vaters und der Großmutter
1888 "Der Einzug Christi in Brüssel im Jahre 1889" Ensor malt, was als sein Hauptwerk angesehen wird, "Der Einzug Christi in Brüssel im Jahre 1889". Es stößt auf Ablehnung, auch bei "Les XX".

Er lernt die Gastwirtstochter Augusta Boogaerts kennen, die im Geschäft der Familie als Verkäuferin arbeitet. Er bleibt ihr bis ans Lebensende verbunden.
1889
Ensor malt neben anderen die Bilder "Der Sturz der rebellischen Engel" und "Verwunderung der Maske Wouse". Besonders die Ablehnung seiner Maskenbilder verbittert ihn. Seine Arbeiten werden aggressiver und karikierend.
"Der Sturz der rebellischen Engel" "Skelette, die sich wärmen wollen"


"Der Sturz der rebellischen Engel"
Anmerkungen



"Skelette versuchen, sich zu wärmen"
Anmerkungen

"Alte Dame zwischen Masken"


"Alte Dame zwischen Masken"
Anmerkungen

1891 Ensor stellt in der Galerie Dietrich, Montagne-de-la cour in Brüssel seine Radierungen aus.
1892

"Der Schmerzensmann" [1892] Ensor reist nach London.

Ensors Schwester Mariette ("Mitche") heiratet Tuen Hee Tseu, einen Chinesen, der in Deutschland lebt.

Die erste Monographie über Ensor (von Eugène Demolder) erscheint in Brüssel.




"Der Schmerzensmann"
Anmerkungen

1893 Der Kreis der "XX" löst sich auf. Dafür wird die Gruppe "La Libre esthétique" neu gegründet. Sie wird von Octave Maus allein geleitet.

Ensor verfällt in starke Depressionen und versucht erfolglos, seine sämtlichen Bilder für 8500 Francs zu verkaufen. Seine Produktion und auch die Kreativität lassen stark nach.

Alexandrine Jeanne, die Tochter von "Mitche" wird geboren.
1894 Ensor beteiligt sich an der ersten Ausstellung der Gruppe "La Libre esthétique".
20.12.1894
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15.01.1895
Ensors erste Einzelausstellung mit Ölbildern im Teppichgeschäft von Eugène Demolders Vater (Comptoir des Arts Industriels La Royale) in Brüssel (Rue Montagne-aux-Herbes-Potagères 6).

Dort waren zu sehen:

"Huîtres", "Pommes", "Bouteilles", "Chinoiseries, éventails et étoffes" [1880], "Fleurs", "Viandes", "Le lampiste" [1880], "La dame en détresse" [1882], "Pouilleux indisposé voulant se chauffer" [1882 - Bei einem Bombardement Ostendes im 2. Weltkrieg wurde das Bild vernichtet.], "Masques devant la mort" [1888], "Sur la plage" [1882], "Paysage (ensoleillé)", "Prise de la ville de Bise ", "Le Vieux meuble" [1890 - Bei einem Bombardement Ostendes im 2. Weltkrieg wurde das Bild vernichtet.], die Zeichnungen "Mort mystique d'un théologien" und Kupferstiche.
1898 Wiederum auf Betreiben von Eugène Demolder wird im "Salon des Cent" in Paris eine Ausstellung von Werken Ensors veranstaltet.
1899 Ensor-Sondernummer der Pariser Zeitschrift "La Plume" mit Beiträgen u. a. von M. Maeterlinck, O. Maus, C. Meunier, Pol de Mont, E. Verhaeren.
1900 In der Zeitschrift Minerva vom 15.7.1900 erscheint von Vittorio Pica die erste von einem Ausländer geschriebene Monographie über James Ensor.
1901 Die Freie Akademie von Belgien wird gegründet. Deren Mittelpunkt ist Edmond Picard. James Ensor gehört zu den Gründungsmitgliedern.

Ensor stellt in Den Haag auf der "Eerste Internationale Tentoostelling" aus.
1903 Ensor wird Ritter des Leopold-Ordens. Man beginnt, seine Bilder zu kaufen.
1904 Ensor lernt Eva Lambotte kennen, die Ehefrau eines in Antwerpen arbeitenden Arztes. Sie ist Kunstkritikerin der Zeitschrift "Méphisto", versucht zu malen und bewundert Ensor auf eine redliche Art.
1905 Ensor lernt François Franck kennen. Dieser wird sein wichtigster Gönner und vermittelt ihm Ausstellungen in der Vereinigung "L'Art Contemporain" in Antwerpen.
1906 Das Ehepaar Lambotte schenkt Ensor ein Harmonium. Er beginnt mit der Arbeit an dem Marionettenspiel "La Gamme d'Amour".
1907 Auf dem Pariser Herbstsalon und der Biennale werden Werke von Ensor ausgestellt.
1908 Die Monographie von Emile Verhaeren erscheint im Verlag Van Oest in Brüssel.
22.9. - 16.10.1910 Erste große Retrospektive mit 53 Werken: Tentoonstelling van werken van James Ensor in Rotterdam (Rotterdamsche Kunstkring)
1911 Das Marionettenspiel "La Gamme d'Amour", dessen Text und Musik Ensor geschrieben und dessen Kostüme und Bühnenbild er entworfen hat, wird fertig. Die Erstaufführung findet allerdings erst 1920 statt.
1912 Ausstellung in der Sturmgalerie, Berlin
1915 Die Mutter stirbt. Er lebt nun allein mit seiner Schwester und einigen Hausangestellten, die seit 1897 für ihn arbeiten.

Ensor verbüßt eine Gefängnisstrafe, weil er Wilhelm II. als Aasgeier bezeichnet hat.
1917 Er zieht in die Vlaanderenstrat 27 in das Haus, in dem er geboren wurde und wo sich heute das Ensor-Museum befindet. Er hat es von seinem Onkel Leopold geerbt.

Er spielt Harmonium, verfaßt Pamphlete und greift in hellfarbigen Malereien auf alte Themen zurück.
1920 Große Retrospektive in Brüssel, Galerie Giroux.

Ensors Marionettenspiel "La Gamme d'Amour" wird in Ostende und später in Brüssel aufgeführt.
1921 Eine erste Ausgabe seiner Schriften ("Les écrits de James Ensor") erscheint bei Éditions Sélection, Brüssel. In Antwerpen wird eine Ensor-Ausstellung veranstaltet.
1925 Ensor wird in die Academie Royale aufgenommen.

Veröffentlichung des graphischen Werkes durch L. Delteil
1926 Ausstellung im belgischen Pavillon der Biennale von Venedig.
1927-1928 Wanderausstellungen in Berlin, Leipzig, Hannover (Kestner-Gesellschaft) und Dresden
1929 Eröffnung des Palais des Beaux-Arts in Brüssel mit einer Ensor-Retrospektive, auf der zum ersten Male "Der Einzug Christi in Brüssel" gezeigt wird.

Ensor wird von König Albert I. zum Baron ernannt.
1930 Enthüllung des Ensor-Denkmals von Edmond de Valeriola in Ostende im Beisein Ensors.
1932 Große Ensor-Ausstellung in Paris (Jeu de Paume). Steigender Ruhm auch durch die surrealistische Bewegung.
1940-1945 Bombardierung Ostendes. Dennoch weigert sich Ensor, sein Atelier zu verlassen. Zerstörung einiger Bilder des Museums. Ensors Produktion versiegt fast ganz.
1946 Letzte Retrospektive zu Lebzeiten des Künstlers in der National Gallery London.
1948 Gründung einer Gesellschaft "Les Amis de James Ensor"
19.11.1949 in Ostende gestorben.