Die Einladung
Ihr unsicheres, dümmliches Lachen mißfiel ihm gründlich, aber er war froh, daß sie auf seine Anzeige hin gekommen war. Durch Fleiß und Sorgfalt hatte er mit seinen zwei Mitarbeitern Erfolg gehabt im letzten Jahr. Seine Geschäfte dehnten sich aus. Er brauchte dringend jemanden, der die Korrespondenz ordnete, die Termine unter Kontrolle hielt, telefonierte, Kaffee kochte und die bisherige Junggesellenwirtschaft aus den Büros vertrieb. Sie war die dritte Bewerberin, die sich gemeldet hatte. Und wahrscheinlich die richtige.

Um sie nach dem ersten Gespräch weiter zu prüfen und zugleich vorläufig zu binden, hatte er sie zum Mittagessen eingeladen. Dabei bestätigte sich nun sein erster Eindruck. Sie war trotz ihres großen, weichen, griffigen Körpers und ihrer umfangreichen Ausbildung unsicher und ungeübt. Das hatte er schon daraus geschlossen, daß sie glaubte, sie müsse schwarzweiße Sachen tragen, weil sie schwarze Haare und eine blasse Haut hatte.

An der Tür der Gaststube wäre sie ohne Drängelei nicht davon abzuhalten gewesen, als erste den Raum zu betreten, und sie war mehr hereingestolpert als geschritten. Nun saßen sie endlich, und sie lachte manchmal immer noch überraschend und grundlos.
Jetzt hörte man auch heraus, daß sie sich unverhältnismäßig geschmeichelt fühlte.

Er ließ ihre Bestellung ohne Einwand geschehen und versuchte sich vorzustellen, wie sie arbeiten würde.

Anfangs würde er ihr alles bis in die kleinsten Einzelheiten erklären müssen.

Es mußte ganz erholsam sein, nach des Tages Arbeit ein gutes Glas Rotwein zu trinken und sich dann auf ihr auszuruhen. Ähnliche Vorstellungen seiner Mitarbeiter brauchte er nicht zu fürchten: Die gingen zwar nicht miteinander, aber jeder hatte seinen festen Freund.

Er machte einen letzten Versuch: Wenn er sich von einer Frau innerlich lösen wollte, hatte es ihm häufig genügt, ihr beim Essen zuzusehen. Er warf einen schnellen Blick auf seine künftige Sekretärin. Aber siehe da, sie aß ganz wohlerzogen.

Er entschied sich und lächelte ihr zu. Sie wußte, was das bedeutete, und lächelte unterwürfig zurück. Dabei spürte sie, und er wußte es, daß sie ihm eines Tages auf der Nase herumtanzen würde.