(Bemerkung zur Folge 114 "Die Abrechnung" mit Rolf Schimpf vom 13.03.1987 aus der Serie "Der Alte")

Hier wird nicht abgerechnet, hier wir aufgerechnet: Mutterliebe gegen Freundestreue, Gewalt gegen Demütigung, Recht gegen Gerechtigkeit.

Zwei junge Männer machen eine Reise nach Malaysia. Der eine, Peter Behrend, leistet sie sich unbekümmert. Seine Eltern sind gut betucht. Der andere, Klaus Wegener, verdient das wenige, was er zum Leben braucht, und die siebentausend Mark im Monat für den Unterhalt seiner alzheimerkranken Mutter, die er in einem Luxus-Heim untergebracht hat, durch Drogendeal. Die beiden werden mit Stoff erwischt. In Südostasien stehen darauf drakonische Strafen. Das ist gut zu verstehen, wenn man einmal beobachtet hat, wie die mitteleuropäischen Touristen ihren südlichen Nachbarn in ihren eigenen Ländern auf der Nase herumtanzen und bedenkt, daß die Asiaten von ihnen noch viel mehr verachtet werden.

Die Verhafteten vereinbaren, daß der eine, Peter Behrend, alle Schuld auf sich nimmt, damit der andere, Klaus Wegener, nach Deutschland zurückkehren, sich dort stellen und damit die Möglichkeit bieten kann, seinen Kumpel herauszuboxen. Bis zur Rückkehr nach Deutschland läuft alles wie abgemacht, aber Wegener denkt gar nicht daran, sich zu stellen. Anzunehmen ist, daß dabei der Gedanke an seine kranke Mutter entscheidend ist, für die er hart in seinem kriminellen Geschäft arbeitet. Was kümmert ihn da das Söhnchen legaler Besserverdiener, das schon immer eine verdrängte Demütigung für ihn war?

Behrend wird zum Tode verurteilt und hingerichtet. Ein fettes Fressen für die Medien.

Ein halbverrückter Kunde von Wegener, der hinwiederum gedemütigt ist, weil er das Geld für den Stoff nicht aufbringen kann, erkennt seine Chance, den Verdacht auf die von Reportern bedrängten Eltern und die Freunde von Behrend zu lenken, und ermordet Wegener mit vielen Messerstichen und der Absicht, damit Geld zu verdienen. Dessen Freundin, die dazukommt, springt vor Angst aus dem Fenster. Das Geld für Leben und Studium hatte sie sich durch gehobene Prostitution verdient.

Der eine kalt kämpfend für ein würdiges, wenn auch sinnloses Dasein für seine Mutter. Der andere verraten von einem, den er für seinen Kameraden hielt. Der Dritte handelnd im Wahnsinn, in den die Verhältnisse ihn trieben. Die Frau verschluckt von einer Katastrophe, die sich außerhalb ihrer Einflußsphäre vollzog.

Drumherum eine Gesellschaft, die einen Sohn für seine Mutter in die Kriminalität treibt, die ihre legalen Bürger nicht schützen kann vor ungerechter Strafe und Entwürdigung durch die Journaille und die andere Völker zum Haß aufstachelt.

Tief versunken in Hilflosigkeit sehen sich am Ende der Folge der alte Kress, seine Leute und Freunde des Hingerichteten das letzte Gespräch mit Behrend an. Nichts ist mehr reparierbar. Drei Menschen sind tot. Einer steht vor einem Mordprozeß. Das Geld für die alte Frau reicht noch zwei Monate.