(Bemerkungen zur Serie "Kommissar Rex" bei SAT.1 Anfang 1996 am Ende der zweiten Staffel)

Diese Österreicher sind wahrlich keine richtigen Deutschen. Gut, den unbezwinglichen Trieb, erfolgreiche Ausländer nachzuah- men, haben sie wohl auch, sonst hätten sie diese Krimiserie mit Hund nicht gedreht, die ja nun wahrlich genügend Vorläufer hat. Aber daß sie dies auf ihre Art tun, ist doch sehr undeutsch-öster- reichisch.

Die Autoren bemühen sich doch wirklich, alles zwanglos, haar- sträubend genau und doch wie nebenbei , also unauffällig zu motivieren. Selbst wenn es ums Geld geht - das häufigste Mordmotiv in allen Krimis überhaupt - heißt es hier nicht nur: "Er wollte das Geld", oder : "Er wollte das Geld nicht verlieren". Hier erfährt man auch warum er das wollte. Und der Hund ist erklärter- maßen ein ausgebildeter Polizeihund, der Stockinger ein Ehe- mann und der Max Koch ein Pensionist. So benehmen sie sich auch. Schnörkellos gerade, zäh an ihrer Rolle festklebend.

Auch die Kriminalisten passen nicht ins Bild der weltweiten Kri- miszene. Man merkt ihnen nämlich an, daß sie für ihren Beruf ausgebildet sind und gelerntes nicht vergessen haben. Kein Chaos wir geduldet. Der ans Übliche Gewöhnte fragt sich, wo da die Spannung herkommt. Alles läuft wie an einem selbstver- ständlich unsichtbaren Schnürchen. Nichts Unnützes wir getan oder gesprochen. Streit ist Streit um der Arbeit willen, wird kühl und sachlich ausgefochten und bringt immer klaren Entscheid. Sie kennen einander, vertrauen einander, achten einander. Bei- nahe könnte man von Liebe reden, in wirklich geistigem Sinn, versteht sich.

Gemordet wird unkonventionell und vielfältig wie im richtigen Le- ben. Der Sohn will die Mutter umbringen, weil er fälschlicherwei- se annimmt, sie wolle ihn um sein Erbe bringen, erwischt aber die falsche Kundin im Schönheitssalon. Der verkrachte Medizin- student erwirbt sein Einkommen, indem er illegale Einwanderer um transplantationsfähige Organe und Leben bringt. Kleinbürger säubern ihr scheinbar feines Haus von einem Obdachlosen, in- dem sie ihn totschlagen. Ein verschuldeter Feinkosthändler ahmt die Morde seines spielsüchtigen Ladenjungen nach. - Die Um- welt wird hier nicht geschont. Hier mordet der biedere Bürger und nicht vorwiegend der Industrieboß, ein anderer Gangster oder deren Beischläferinnen. Vielleicht gibt es davon in Österreich nicht genug? Da gibt es wahrscheinlich mehr talentlose Musik- professoren, hochstapelnde Kleinbürger, verwirrte junge Leute, sexuell Verbogene.

Auch der Sex von Rexens Herrchen spielt eine Rolle. Allerdings eine so freundliche und normale, daß das Wort Sex wohl seinem wirklichen, aber kaum seinem vorgespiegelten Inhalt nach darauf paßt. Auch dabei läuft alles sachkundig und erfolgreich wie in der Arbeit.

Der Hund wird natürlich gehörig ins Bild gesetzt, in der zweiten Staffel aufdringlicher als in der ersten. Und das birgt die Gefahr, die wohl demnächst über Wohl und Wehe der Serie entscheiden wird. Ein Hund kann sicher vieles, wenn er dafür geübt ist. Ur- sprünglich benahm sich Rex so, wie es sich für den wohlerzoge- nen Polizeihund gehört. Der Erfolg verführte aber dazu, ihn auch für Mätzchen zu dressieren, die dem Kitschbedürfnis der Zu- schauer nachgeben. Wir werden sehen, wohin das führt.