(Bemerkung zur Folge "Das Ultimatum" vom 01.11.1995 aus der Serie "Kriminaltango" bei SAT.1)

Ein Münchener Bauunternehmer, der gegen Kartellabsprachen verstoßen hat, wird im Auftrag eines Konkurrenten, der zugleich Liebhaber seiner Frau ist, ermordet. Die Indizien sind so geord- net, daß der Verdacht auf seinen aus der Firma geschiedenen Prokuristen fällt. Dieser beteuert seine Unschuld, wird aber nach Ermittlungen der Gruppe aus Kommissar Haller, seinem Assis- tenten und der Staatsanwältin Mohndorff festgenommen und dem Haftrichter vorgeführt, den er als Geisel nimmt mit der For- derung, daß bis zu einer gesetzten Frist der wahre Mörder gefun- den wird. Die Ermittler erwachen aus ihrem Beamtenschlaf, dessen unheilvolle Wirkungen durch persönliche Vorurteile und verworrene Familienverhältnisse noch verstärkt werden, und erkennen und stellen den Mörder binnen kurzem. Sie können jedoch die Aktion einer Eingreiftruppe, die eine Stunde vor der ursprünglich vereinbarten Frist handelt, nicht mehr verhindern. Der Prokurist wird beim Angriff erschossen.

In aller Ehrlichkeit hat der Verfasser das Verhalten des Justiz- und Polizeiapparates in den Mittelpunkt gestellt und die Aufklä- rung des Falles an den Rande gedrängt. Die Charaktere der Be- amten bestimmen das Geschehen. Der Kommissar ist ehrlich bemüht, geistig fähig und von lobenswerten Grundsätzen ge- prägt, aber seelisch angeschlagen, was sein Handeln beeinflußt. Der Assistent, ein strebsamer und gut ausgebildeter Mann, hat gegen kleine Charakterschwächen und mißliche Familienverhält- nisse zu kämpfen. Der Ausgang des Falles macht ihn sehr be- troffen. Die Staatsanwältin - hager, rothaarig und leidenschaftlich, eine Preußin - versucht mit Ehrgeiz und Alleingängen dem Ma- cho-Gehabe ihrer Umgebung zu begegnen. Der Leiter der Ein- greiftruppe will nun endlich einmal alles, was er gelernt, geübt und geordnet hat, mit vollkommener Herzlosigkeit verwirklichen. Die höheren Beamten leben in einer Phrasenwelt und verfallen den Sprechblasen des Eingreifkommandeurs. Allein der Haftrich- ter versteht und verarbeitet die Lage und nimmt sie letzten Endes hin.

Von der Gegenseite hat der Prokurist weit mehr Charakter, als es zum Verständnis seines Verhaltens erforderlich wäre. Alle ande- ren Personen sind reine Staffage.

Wenn der mürbe Apparat heil wäre, könnte der Prokurist der De- mokratie vertrauen. Zwar wird versucht, die Schwierigkeiten aus den Charakteren der Handelnden und ihren einzelnen Umfeldern herzustellen. Aber nur in dieser Umgebung können sie solch un- heilvoll bestimmenden Einfluß haben. Die etwas höheren Funkti- onäre, die man sieht, leben satt und friedlich dahin. Sie wollen nichts ändern, denn sie wissen, daß sie es nicht können.