Betrachtung eines Fleckchens Erde
Medienmordkrimiwirksam ist das Saugartenmoor in der Dresdner Heide beileibe nicht. Wenn ich den Wissenschaftlern glauben würde, müßte ich sogar sagen, daß es gar kein echtes Moor ist. Zwar befindet es sich auf dem besten Wege dahin, eines zu werden - immerhin steht es seit fünfundzwanzig Jahren unter Naturschutz - aber sein Ziel hat es noch lange nicht erreicht.

Einer seiner Freunde wollte alles genau wissen und hat es ausgemessen. Dann schrieb er: "Dieses Moor hat eine Größe von 75 m x 60 m und eine Tiefe von maximal 2,85 m." Na also, kein halber Hektar. Und auch der Klumpen Trinitrotoluol, dessen Sprengkraft einer Hiroshima-Bombe entspräche, fände nicht genügend Raum in ihm.

Von solch menschlichen Dingen weiß es trotz langen Lebens und vielfältiger Erlebnisse glücklich nichts. Es stammt aus einer Mulde, die sich in der Eiszeit gebildet hat, besitzt ein weiches Bett aus Sand, und gut mit Bäumen getarnte Wälle aus hohen Dünen schützen es. Seit vierhundert Jahren hat es sich durch alle Trockenlegungen in der Heide durchmogeln können. Auf den alten Plänen heißt es noch "Saugartenteich". Nun will es etwas Feineres werden. Zu einem Flachmoor wird es wohl fürs erste reichen.
    nächste Seite