"Moor" nennen es auch schon die neuesten Karten. Interessierte Fremde suchen gelegentlich nach ihm und finden es meist nicht, obwohl es tatsächlich dort liegt, wo es eingezeichnet ist: nahe am Mittelpunkt der Heide im Geviert zwischen der Alten Acht, der Alten Eins, dem Topfweg und der Schneise 12. Diese schnippische junge Schneise ist erst hundertsechzig Jahre alt. Aber die anderen sind alles altehrwürdige Wege aus den Hohen Zeiten Sachsens, als im Saugarten wirklich noch wilde Sauen als Vorrat für die kurfürstlichen und königlichen Treibjagden gehalten wurden. Am Herrenhause, das der Zwingerbaumeister Pöppelmann errichtet hatte, trafen sich acht numerierte Wege. Vom Hause liegen nur noch Dielensteine da, aber die Wege hatten Bestand. Ein Gedenkstein steht am Kreuzungspunkt, eine Schutzhütte und ein Wald aus Buchen, der den Boden knöchelhoch mit Laub bedeckt. So findet der Ungeübte im Gewirr der Spuren wohl die Alten Eins, Drei, Vier und Fünf, die heutzutage oft begangen sind, aber die Acht übersieht er gewöhnlich.

Ich biege lässig in sie ein, damit niemand vermuten kann, daß ich vor Jahren an dieser Stelle mürrisch mit Karte und Kompaß hantiert habe. Der Weg ist bald deutlicher sichtbar, von dort an nämlich, wo er die Buchen hinter sich läßt und zwischen Kiefern verläuft. Er steigt ein wenig an, fällt dann wieder ab, bleibt aber immer oben auf der uralteiszeitlichen Düne, die ich einst für einen Damm hielt. Hat der Fremde einen schlechten Tag erwischt und sinniert über den gefallenen DAX, so läuft er fünfzehn Meter am Moor vorbei, ohne es zu bemerken. Wenn er die Karte richtig lesen kann, wundert er sich am steilen Abstieg ins Prießnitztal, sonst aber erst auf der Brücke. Ich natürlich sehe es rechts unten zwischen den Bäumen und auch die holzgeschnitzte, verwitterte Tafel am Wege, die weit über Augenhöhe an einen Baum genagelt ist.
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