Der Distichen erster Teil
Vorbemerkung

Das Distichon mit diesen zwei Zeilen hat mich schon immer beeindruckt, weil es seinen Inhalt so eindringlich darstellt. Bei meinen eigenen habe ich dabei nicht immer genau auf das Vers- maß geachtet, wenn Abweichungen den Rhythmus der Worte nicht störten. Auf jeden Fall habe ich aber versucht, die Vorschrift von Schiller:

Im Hexameter steigt des Springquells silberne Säule,
Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.

oder die von Matthias Claudius zu beachten:

Im Hexameter zieht der ästhetische Dudelsack Wind ein;
Im Pentameter drauf läßt er ihn wieder heraus.

Distichen haben bei Twitter einige Vorteile. Der wesentlichste ist, daß sie meist unbesehen mit 140 Zeichen auskommen. Und wenn man den Text im Tweet gut anordnet, fallen sie in der Timeline auf. Ihr Rhythmus stärkt den Eindruck ihrer Bedeutsamkeit oder spiegelt wenigstens eine solche vor.

Auf dieser Seite ist auch Text enthalten, der unter einer anderen Überschrift stehen könnte. Entweder hielt ich ihn nicht für so sehr bedeutend. Dann ist er dort nicht aufgeführt. Oder ich habe das Distichon an der anderen Stelle ebenfalls verwendet.

Die Distichen sind in der Reihenfolge angeordnet, in der sie getwittert worden sind. Ich hielt das für möglich, weil es doch hier vorwiegend auf die Form und nicht auf den Inhalt ankom- men soll.


Der Distichen erster Teil

10. September 2015
Kein Bild verrät uns vom Ungeist betroffener Wutbürger mehr
als das stinkende Deutsch, das ihrem Munde entquillt.

10. September 2015
Nichts bedeutet die lärmende Pracht der Blumen im Laden
gegen den stillen Glanz der Blüte am Wegrand.

11. September 2015
Immer wird aufgeräumt und am schlimmsten trifft es den Garten.
Faltern fehlen die Nesseln und Igeln das Laub.

11. September 2015
Draußen im Dunkel umschweben säuselnde Geister das schläfrige
Haus und lauschen gekränkt dem wirren Getwitter.

11. September 2015
Nur wenigen ist es gegeben zu sprechen ohne zu reden.
Freunde gehören dazu und Katzen wohl auch.

24. September 2015
Der Kopf brummt dumpf und voll und die Gelenke knurren.
Die Fahrt ist hart im Zug der Zeit.

27. September 2015
Totenstille abends auf dem Friedhof. Nur ganz fern
ein höhnisch' Kichern von begrab'ner Hoffnung.

28. September 2015
Schuldbeladne Sommervögel kreisen über Goethes Faust,
wo der Mephistopheles dem Fausten seine Seele maust.
Oder so.

15. Oktober 2015
Wild wächst Wollgras wohl im Moore,
mir jedoch aus meinem Ohre.

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